Der Ball fliegt wieder beim BC Grün-Weiß Obernzell 

von Matthias Stoiber, Deutsche Sporthochschule Köln

Obernzell – Fabian Lautner und seine Trainingskollegen stehen mit ihrer Badminton-Ausrüstung vor der einzigen Turnhalle im Ort und können es kaum erwarten, die Halle zu betreten. Nach über sieben Monaten Zwangspause wegen der Corona-Pandemie erlaubt es die bayerische Staatsregierung wieder, Turnhallen bei einer stabilen Inzidenz unter 50 vollständig zu nutzen. Das Training beim Badminton-Club Grün-Weiß Obernzell kann wieder aufgenommen werden. Wie früher werden die Badmintonnetze aufgebaut und die Federbälle verteilt. „Ich bin froh, dass wir nach so langer Zeit wieder Badminton spielen dürfen“, sagt Fabian Lautner erleichtert. Die ersten Schläge funktionieren noch nicht perfekt, einige Bälle landen im Aus oder werden nicht getroffen, da sich die Spieler erst wieder an die Schlagtechniken und Laufwege in der Halle gewöhnen müssen. Trotzdem zeigt sich Fabian Lautner lachend zufrieden: „Es ist erstaunlich, wie schnell die Spieler im ersten Training wieder Fortschritte machen. Ich habe das nach so einer langen Trainingspause nicht erwartet. Darauf kann man aufbauen.“

Als einer von 11.783 Sportvereinen in Bayern ist der BC Grün-Weiß Obernzell auch von der Corona-Pandemie betroffen und kann erst jetzt wieder zur Freude seiner Mitglieder mit dem Training beginnen.

In der Halle sind am Seitenrand im Abstand von 1,5 Metern Stühle aufgestellt und es hängt eine Liste zum Eintragen seiner persönlichen Daten aus. Auch auf die sonst übliche Begrüßung verzichten die Spieler. Alles fühlt sich sehr ungewohnt an. Doch überwiegt die Erleichterung, endlich wieder auf dem Badmintonfeld stehen zu dürfen. Über sieben Monate Online-Training liegen schließlich hinter allen. „Wir konnten zumindest an unserer Grundfitness arbeiten, indem wir viele Kraft- und Stabilisationsübungen online gemacht haben. Am Anfang wurde dieses Angebot noch sehr gut angenommen, aber am Ende hat den meisten die Motivation gefehlt, jeden Freitag zwei Stunden lang zu trainieren. Auch konnten wir die Badminton-Techniken kaum üben“, lautet Fabian Lautners Fazit. Doch hält er das Online-Training weiterhin für eine sinnvolle Alternative. Außerdem haben einige schon vor der Öffnung der Turnhalle beim Outdoor-Badminton im Schlossgarten Obernzell etwas üben können. Dafür verwendet jedoch man wegen dem Wind einen speziellen Ball aus Kunststoff, weshalb man die beiden Spielvarianten nicht vergleichen kann.

Für den BC Grün-Weiß Obernzell ist es ein langer Weg gewesen, wieder zum normalen Trainingsbetrieb zurückzukehren. Fabian Lautner erzählt, dass der Verein ein eigenes Hygienekonzept für seine Spieler erstellt hat, wie es im bayerischen Landesgesetz für Vereine in der Corona-Pandemie vorgeschrieben ist. Dazu zählen das Verwenden von FFP2-Masken, Desinfektionsmittel und das Einhalten des Sicherheitsabstandes von 1,5 Metern. „Ich bin froh, dass die Gemeinde Obernzell unser Hygienekonzept unterstützt“, sagt er zufrieden. In Bayern gibt es im Vergleich zu anderen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen strengere Corona-Regeln. Bei einer Inzidenz über 50 müssen alle Sportler beim Training einen negativen Corona-Test vorweisen. Außerdem sind bei einer stabilen Inzidenz unter 50 auch wieder normale Wettkämpfe mit Zuschauern möglich. Für kleinere Vereine ist es aber schwierig zu überprüfen, ob bei einer höheren Inzidenz jeder Sportler einen Corona-Test hat, weil der Aufwand dafür zu groß ist. Wie viele andere Sportvereine in Bayern hat der BC Grün-Weiß Obernzell wegen der Corona-Krise weniger Einnahmen zur Verfügung, weil Pokalturniere fehlen und der Spielbetrieb immer noch eingestellt ist. Glücklicherweise gibt es fast keine Ausgaben, somit kann der Verein die fehlenden Einnahmen ausgleichen.

Das erste Training nach der langen Pause ist schon wieder vorbei. Federbälle und Netze werden wieder in die Schränke geräumt. Alle Spieler schauen glücklich und zufrieden aus, auch wenn die körperliche Fitness noch fehlt. Nachdem sich alle umziehen und Schläger und Schuhe in ihre Sporttaschen einpacken, verlässt Fabian Lautner als letzter die Obernzeller Turnhalle. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, endlich wieder in der Halle zu sein. Die Wertschätzung für den Sport ist mittlerweile deutlich gestiegen, weil alles keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Das habe ich von vielen meiner Mitspieler erfahren.“ Dann setzt er sich auf sein Fahrrad und fährt glücklich nach Hause.